Die neue Zeckenkrankheit - Ehrlichiose
Mit den ersten warmen Frühlingstagen folgen auch die ersten Warnungen vor den Bissen der winzigen Blutsauger. Krankheitsbilder wie FSME (= Hirnhautentzündung) oder Lyme-Borreliose sind nicht zuletzt auf Grund der öffentlichkeitswirksamen Thematisierung mittlerweile durchaus im Bewusstsein der Menschen verankert. Seit kurzem gibt es jedoch eine weitere durch Zecken übertragbare Krankheit und zwar die so genannte Humane Granulozytäre Ehrlichiose – ein Krankheitsbild, das es erstmals näher zu durchleuchten gilt.
Bei der Ehrlichiose handelt es sich um eine akute, fieberhafte Infektionskrankheit, die etwa ein bis zwei Wochen nach einem Zeckenbiss auftritt. Dabei treten grippeähnliche Symptome wie Fieber bis über 39°C, allgemeines Krankheitsgefühl sowie Kopf- und Muskelschmerzen auf. In manchen Fällen kommt es zu Reizhusten, Übelkeit und Erbrechen.Dr. Doppler Stefan, Facharzt für Hygiene und Mikrobioloige am Institut für Pathologie der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg über die Hintergründe der Diagnosestellung: „Meistens werden bei der Laboruntersuchung charakteristische Blutbildveränderungen festgestellt. Neben einer Verminderung der Blutplättchen und der weißen Blutkörperchen kommt es außerdem zu einer Erhöhung der Leberwerte. Zur Sicherung der Diagnose wird der Erreger im Blut mittels eines gentechnischen Verfahrens, auch als PCR (= Polymerase-Chain-Reaction) bezeichnet, und durch einen Antikörpernachweis dokumentiert.“
Das Krankheitsbild der Ehrlichiose wird durch eine Bakterienart hervorgerufen, die zu Ehren des deutschen Medizin-Nobelpreisträgers Paul Ehrlich „Ehrlichien“ genannt wurden. Ehrlichien sind kleine Bakterien, die in die Leukozyten (= weiße Blutkörperchen) eindringen und sich dort in den Zellbereichen vermehren, die wiederum bei der Vernichtung von Antigenen eine zentrale Rolle spielen – die logische Folge daher: Schwächung des Immunsystems.
Der erste Fall einer Ehrlichiose ist in Österreich im Jahr 2002 aufgetreten. Im Vorjahr sind einige wenige weitere Fälle bekannt geworden. Dr. Doppler ergänzend dazu: „Allerdings zeigt sich, dass bei Personengruppen, die öfters Kontakt mit Zecken haben, in ca. 15 % der Fälle Antikörper gegen Ehrlichien nachgewiesen werden konnten. Man kann deshalb annehmen, dass eine Infektion mit Ehrlichien häufiger vorkommt, dabei aber keine oder nur leichte Krankheitssymptome auftreten.“
In punkto Prävention ist erwähnenswert, dass es gegen die Ehrlichiose bis dato noch keine Impfung gibt. Körperbedeckende Kleidung, geschlossenes Schuhwerk, Absuchen des Körpers und rasche Entfernung der Zecken sind jedoch allgemein gültige Tipps im Kampf gegen die kleinen Blutsauger. Bei rechtzeitiger Behandlung mit Antibiotika heilt die Humane Granulozytäre Ehrlichiose in aller Regel folgenlos aus. Unbehandelt kann dieses neue Krankheitsbild, wenn auch selten, einen bedrohlichen Verlauf nehmen – dabei stehen oft neurologische Symptome wie Verwirrtheit und Bewusstseinsstörung im Vordergrund. „Bei begründetem Verdacht einer Ehrlichiose sollte daher schon vor Abschluss des zeitlich aufwändigen Erregernachweises mit der Antibiotika-Behandlung begonnen werden“, betont Doppler abschließend.